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Zum Ende der Seite springen REZENSION: Death Note (Vol.1)
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Martin
Routinier


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Dabei seit: 17.04.2007
Beiträge: 324

REZENSION: Death Note (Vol.1) Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

„Don´t believe the hype!“ So heißt es ja häufig in Bezug auf beliebte und allerorts angepriesene Filme und Serien, und DEATH NOTE ist ganz sicher ein Titel, der mächtig gehypt wurde und wird.
Dabei war das der gesamten Franchise zugrundeliegende Manga von Tsugumi Oba international kaum bekannt, und erst die beiden von Shosuke Kaneko inszenierten Realverfilmungen sorgten dafür, dass der Name DEATH NOTE plötzlich in aller Otaku Munde war.
Interessanterweise waren die Filme aber höchst durchwachsene, holprig inszenierte Werke, nach deren Ansicht ich zunächst keine Lust verspürte, tiefer in die Welt des geheimnisvollen Notizbuchs des Todes einzutauchen.
Und eine ganze, immerhin 37 Episoden starke Anime-TV-Serie war, allen Vorschusslorbeeren zum Trotz, etwas, auf dass ich gut hätte verzichten können.
Glaubte ich.
Nun, nach Sichtung der ersten fünf Folgen muss ich mich (leider) dem allgemeinen Jubelchor anschließen und verkünden: BELIEVE THE HYPE!

Was ist es denn nun, was die TV-Serie (und ich spekuliere mal, sicher auch den Manga) zu einem erheblich besseren Stoff macht als die zwei (bzw. drei, wenn man das Spin-Off um L mit einbezieht) Kinofilme.

An der prinzipiellen Geschichte liegt´s sicher nicht, die haben Film und Serie gemein.
Der jugendliche Protagonist mit dem typisch japanischen Namen Light Yagami, Streber, Jahrgangsbester und Muttiliebling seines Zeichens, findet auf dem Schulgelände ein Notizbuch mit leeren Seiten und der englischsprachigen Anleitung, dass derjenige stürbe, dessen Name in das Buch geschrieben würde, und zwar an Herzinfarkt, wenn der Schreibende die genaueren Todesumstände nicht im Anschluss noch beschreiben sollte. Um zufällige Tötungen anderer gleichen Namens zu verhindern, muss der Besitzer des Buches das Gesicht des potentiellen Opfers kennen und sich beim Eintragen des Namens vorstellen.
Natürlich zweifelt Light zunächst an der Echtheit des Buches und glaubt an einen schlechten Scherz. Aus Neugier trägt er aber doch einen Namen ein, den eines gerade im Fernsehen gezeigten Geiselnehmers, der dann auch tatsächlich stirbt, an Herzversagen.
Einige Versuche später ist sich Light dann schon ziemlich sicher, vom Schicksal auserkoren zu sein, nicht nur die Welt von Verbrechern zu befreien, sondern sich infolge seiner Verdienste auch gleich zu einer Art Gott über die Menschheit aufzuschwingen.
Seinen Ambitionen durchaus förderlich ist dabei, dass der ursprüngliche Besitzer des Buches bei ihm auftaucht, der Todesgott Ryuk, ein gruseliger Gesell mit Totenkopfvisage und einer Vorliebe für frische Äpfel, der sich in der heimatlichen Schattenwelt langweilt und deswegen gerne an der Seite Lights bleibt, der ihn genauso sehen kann, wie jeder, der das DEATH NOTE berührt hat. Für den Rest bleibt Ryuk praktischerweise unsichtbar und unhörbar.
Die populärste Gestalt der Realfilme war aber gar nicht Protagonist Light sondern der Antagonist L, ein geheimnisvoller Ermittler, der von Interpol zur Mitarbeit an der Aufklärung des mysteriösen Verbrechersterbens herangeholt wird, und welcher den unbekannten Selbstjustizler mit raffinierten Tricks aus der Reserve lockt, den Verdächtigenkreis langsam einengt, die Schlinge zuzieht.
Light hat im Gegenzug aber Zugriff auf die Polizeidaten zum Fall, ist doch sein Vater Polizist und Chef der japanischen Ermittlungseinheit. So versteht er es, seinem Gegenspieler doch immer wieder einen Schritt voraus zu sein, wofür er aber auch über Leichen geht, und jetzt müssen nicht nur Verbrecher sterben.

Hinter der Hülle eines übernatürlichen Thrillers verbirgt sich also ganz klar ein Moralstück, welches die Frage nach Berechtigung individueller Vergeltung, aber auch das Dilemma des Machtmissbrauchs aus sogenannten edlen Motiven in den Mittelpunkt stellt, zentrale Themen, die aber so locker und gut verdaulich in die höchst spannende Krimihandlung integriert werden, dass sich der Zuschauer vornehmlich gut unterhalten fühlt, den intellektuellen Diskurs aber dennoch gleich mit aufs Auge gedrückt bekommt und sich auch gerne an ihm beteiligt, siehe zahlreiche und endlose Diskussionen in den einschlägigen Foren.
Der große Vorteil der Serie im Vergleich zu den Realfilmen liegt in der teilweise durch die längere Laufzeit bedingte erzählerischen Sorgfalt. So wird zum Beispiel im Realfilm nicht klar, warum die Polizei so schnell bei der Serie an Herzversagen sterbender Verbrecher an Mord ausgeht, wohingegen im Anime deutlich wird, dass es es Light geradezu darauf ankommt, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass hier jemand bewusst „Gerechtigkeit“ ausübt.
Auch der Ermittlungsvorgang von Seiten der Polizei und Ls erscheint deutlich plausibler, so dass also nicht haarsträubende Logikfehler und Storylücken das Sehvergnügen schmälern.

Aus der Figur des L hatte man im Realfilm unglücklicherweise einen notorisch Süßigkeiten fressenden, trübe dreinblickenden Emo-Schnuffi gemacht, in der Serie beschränken sich seine Eigenheiten dagegen auf seine Qualifikation und seinen geheimnisvollen Background, so dass die Handlung nicht durch manirierte Mätzchen gestört wird.

Mit seiner originellen, kontroversen und ungemein fesselnden Geschichte fällt es DEATH NOTE natürlich leicht, der Animekonkurrenz den Finger zu zeigen, zumal sich die Serie auch bei der Präsentation keinerlei Blöße gibt: Zeichnungen und Animationen sind hochwertig, der Soundtrack atmosphärisch, das produzierende Studio MADHOUSE hat also ganze Arbeit geleistet.

Der Gründe, sich an DEATH NOTE zu wagen, sind also viele, ein letzter, für den potentiellen Käufer nicht ganz unentscheidender ist, dass man bei SPV, dem deutschen Publisher, so generös war, die 37 Episoden auf nur 8 DVDs zu packen (zur Erinnerung, OVA Films hat z.B. die 24 CHEVALIER D'EON-Folgen auf 8 DVDS verteilt), ein Umstand für den man die Extraarmut der DVDs gerne in Kauf nimmt, vor allem, da auch Bild- und Tonqualität keinen Grund zur Klage bieten.

Death Note Vol. 1


Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Martin: 22.01.2009 10:27.

22.01.2009 10:22 Martin ist offline E-Mail an Martin senden Beiträge von Martin suchen Nehmen Sie Martin in Ihre Freundesliste auf
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